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      <titleStmt>
        <title>Stefan Zweigs Abschiedsbrief</title>
        <author>
          <persName>
            <forename>Oliver</forename>
            <surname>Matausek</surname>
          </persName>
        </author>
      </titleStmt>
      <publicationStmt>
        <publisher>
          <orgName corresp="https://www.uni-salzburg.at/index.php?id=72" ref="d-nb.info/gnd/1047605287">Literaturarchiv Salzburg</orgName>
        </publisher>
        <authority>
          <orgName corresp="https://informationsmodellierung.uni-graz.at" ref="d-nb.info/gnd/1137284463">Zentrum für Informationsmodellierung - AustrianCentrefor
            Digital Humanities, Karl-Franzens-Universität Graz </orgName>
        </authority>
        <distributor>
          <orgName ref="https://gams.uni-graz.at"> GAMS - Geisteswissenschaftliches Asset
            ManagementSystem </orgName>
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          <licence target="https://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/4.0">CreativeCommonsBY-NC-SA 4.0</licence>
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        <publisher>Literaturarchiv Salzburg</publisher>
        <idno type="PID">o:szd.thema.5</idno>
        <date when="2022-02-22">15.12.2017</date>
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        <title ref="gams.uni-graz.at/szd">Stefan Zweig Digitale Nachlassrekonstruktion</title>
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          <resp>Projektleitung</resp>
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            <forename>Manfred</forename>
            <surname>Mittermayer</surname>
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        </respStmt>
        <respStmt>
          <resp>Datenmodellierung</resp>
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            <forename>Christopher</forename>
            <surname>Pollin</surname>
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        </respStmt>
      </seriesStmt>
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        <p>SZD Themenseite</p>
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      <projectDesc>
        <p> Das Projekt verfolgt das Ziel, den weltweit verstreuten Nachlass von Stefan Zweig im
          digitalen Raum zusammenzuführen und ihn einem
          literaturwissenschaftlichbzw.wissenschaftlich interessierten Publikum zu erschließen. In
          Zusammenarbeit mitdemLiteraturarchiv der Universität Salzburg wird dabei, basierend auf
          dem dortvorhandenenQuellenmaterial, eine digitale Nachlassrekonstruktion des Bestandes
          generiert.So entstehtein strukturierter Bestand an digitalen Objekten, der im Sinne
          derdigitalenLangzeitarchivierung repräsentiert wird, und NutzerInnen orts-
          undzeitunabhängigzugänglich ist. Das Projekt ist so konzipiert, dass zu einem
          späterenZeitpunktErschließung und Anreicherung des Quellenmaterials (z.B. digitalen
          Editionen)möglichwerden. </p>
      </projectDesc>
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  <text>
    <body>
      <div type="col-1" xml:lang="de">
        <head>
          <title>ICH HABE DAS LEBEN ZU SEHR GELIEBT</title>
        </head>
        <p>Einige Anmerkungen zu Stefan Zweigs „Declaração“ anlässlich seines 80. Todestages am 23.
          Februar 2022</p>
        <p>Das von <name ref="#SZDPER.1560">Stefan Zweig</name> mit dem portugiesischen Wort
          „Declaração“ als „Erklärung“ betitelte Schreiben vom 22. Februar 1942 ist zweifellos sein
          bekanntestes und meistzitiertes Lebensdokument. Es entstand unter dramatischen Umständen,
          denn am folgenden Tag fanden die Bediensteten <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> und
          seine Frau <name ref="#SZDPER.1555">Lotte</name> leblos im Bett ihres Hauses in Petrópolis
          auf. Der herbeigerufene Arzt trug die Einnahme giftiger Substanzen als Todesursache in die
          amtlichen Dokumente ein und die polizeiliche Untersuchung schloss eine Beteiligung Dritter
          aus, so dass keine Zweifel daran bestanden, dass <name ref="#SZDPER.1560">Stefan</name>
          und <name ref="#SZDPER.1555">Lotte Zweig</name> sich nach Jahren im Exil selbst zu diesem
          Schritt entschieden hatten.</p>

        <p>Datierungen und Poststempel zeigen, dass das Ehepaar bereits eine ganze Reihe von
          persönlichen Abschiedsbriefen an Freunde und Familienmitglieder verfasst und zur Post
          gebracht hatte, als <name ref="#SZDPER.1560">Stefan Zweig</name> seine offizielle
          Erklärung niederschrieb. Darin wandte er sich allein an die Öffentlichkeit, ohne seine
          Frau zu erwähnen, die sich zum gemeinsamen Suizid entschlossen hatte. Aufgrund der langen
          und durch den Krieg zusätzlich erschwerten Postwege und Zensurkontrollen dürften die
          persönlichen Abschiedsschreiben ihre Empfängerinnen und Empfänger erst erreicht haben, als
          die Nachricht vom Tod und die „Erklärung“ Zweigs längst über Zeitungen und das Radio
          verbreitet worden waren.</p>
        <p>Dem offiziellen Charakter entsprechend, beginnt <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>
          seinen Text mit einem Dank an das Land Brasilien, in dem er und seine Frau die letzten
          Monate verbracht hatten, und äußert sich anschließend mit erklärenden Worten zu seiner als
          ausweglos empfundenen Lage. Wegen der Bedeutung des Dokuments hinterließ <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> zwei Exemplare der „Declaração“, was bislang wenig
          Beachtung gefunden hat, zumal sich die Texte auf den ersten Blick zu gleichen scheinen und
          für Abdrucke und Zitate üblicherweise eine von Schreibfehlern und Streichungen bereinigte
          Fassung genutzt wird. Eine dieser „Erklärungen“ wurde 1976 vom Deutschen Literaturarchiv
          Marbach erworben, die andere befindet sich seit 1992 in der National Library of Israel in
          Jerusalem. Beide sind handschriftlich verfasst, unterzeichnet und tragen dasselbe Datum.
          Als Schreibeigenheit ist bei beiden die fehlende Cedilha am zweiten C des Wortes
          Declaração festzustellen, was für <name ref="#SZDPER.1560">Zweigs</name> Schreibweise
          nicht ungewöhnlich ist, denn auch bei französischen Texten verzichtete er in der
          Handschrift häufig auf die Accents. </p>

        <p>Als deutlicher Unterschied fällt auf dem Jerusalemer Exemplar zunächst in der oberen
          linken Ecke eine schräg angebrachte Paraphe auf, die vermutlich von einem der ermittelnden
          Beamten stammt. Auf dem Marbacher Exemplar hat <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>
          selbst hinter der Überschrift in Klammern den Zusatz „Abschrift, Copia“ angebracht. Damit
          ist der Zweck des sicherheitshalber vorhandenen Doppelstücks korrekt bezeichnet, doch ist
          die Angabe insofern unrichtig, als es sich eben nicht um eine Abschrift des Textes
          handelt, sondern vielmehr um dessen Entwurf. Erkennbar wird dies an mehreren Streichungen
          und Korrekturen, die im vorgeblichen „Original“ aus Jerusalem bereits in der geänderten
          Form enthalten sind. Obwohl <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> die entsprechenden
          Stellen im Marbacher Exemplar mit dem Füllhalter umfassend tilgte, sind alle
          darunterliegenden Worte der ursprünglichen Formulierungen noch lesbar.</p>

        <p>Die erste Stelle, die deutliche Korrekturen trägt, ist das Ende des ersten Absatzes. In
          der endgültigen Fassung lautet diese auf Brasilien bezogene Passage: „Mit jedem Tage habe
          ich dies Land mehr lieben gelernt und nirgends hätte ich mir mein Leben lieber vom Grunde
          aus neu aufgebaut, nachdem die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen ist und
          […] meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet.“ In der ersten Version des Textes
          hatte <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> am Ende des Satzes noch weniger prägnant
          geschrieben: „nachdem die Welt in der ich in meiner eigenen Sprache schaffen konnte für
          mich untergegangen ist und meine geistige Heimat Europa sich selbst vernichtet.“ </p>
        <p>Die zweite Stelle betrifft den Beweggrund für den Suizid. Hier rückte <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> allein seine Kraftlosigkeit in den Vordergrund und
          strich aus dem Satz „Aber nach dem sechzigsten Jahr bedürfte es besonderen Mutes und
          besonderer Kräfte, um noch einmal völlig neu zu beginnen“ die Worte „besonderen Mutes
          und“. Außerdem ist zur Verstärkung der Aussage das Wort „völlig“ im Entwurf erst später
          vor dem Zeilenanfang hinzugefügt worden.</p>

        <p>Bei der dritten und umfassendsten Streichung handelt es sich um einen ganzen und einen
          unvollständigen Satz. Die Stelle lautet: „Ich habe das Leben zu sehr geliebt. Eine
          zerstückte und in ihrem Gefühl verstörte“. In der endgültigen Fassung hat <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> die Passage mit ihrem prägnanten ersten Satz nicht
          wieder aufgegriffen.</p>

        <p>Die letzte Streichung betrifft den Austausch des Wortes „Unabhängigkeit“ durch
          „Freiheit“, die <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> für sich als „das höchste Gut dieser
          Erde“ ansah.</p>

        <p>Abgesehen von einigen kleineren Varianten wie „dieses Land” und „dies Land“ oder „Rast
          gewährt“ und „Rast gegeben“ und dem Austausch von Punkt und Ausrufungszeichen bei den
          beiden letzten Sätzen kam es in der endgültigen Fassung nur noch zu zwei kleineren
          Korrekturen, die wiederum Streichungen nach sich zogen: zunächst den Beginn des Wortes
          „Europa“, das <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> wohl versehentlich ohne den
          vorangehenden Zusatz „meine geistige Heimat“ abgeschrieben hatte und noch entsprechend
          ergänzte. An der zweiten Stelle hatte er vermutlich von „fast zehn“ Jahren heimatlosen
          Wanderns schreiben wollen, sich nach der Niederschrift von „fast zeh“ jedoch für die
          ursprünglich vorgesehene Form „die langen Jahre“ entschieden.</p>
        <p>An den Originaldokumenten ist deutlich zu erkennen, dass <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> seine letzten Worte an die Öffentlichkeit nicht flüssig herunterschrieb,
          sondern noch zahlreiche Änderungen anbrachte und Aussagen nachschärfte, wie er es bei der
          Komposition seiner literarischen Werke über Jahrzehnte erprobt und verfeinert hatte. Auf
          dem Weg vom ersten Gedanken bis zur letzten Fassung entstanden dabei nicht selten vier
          oder fünf Überarbeitungen, und gemessen an der Bedeutung der „Declaração“ ist keinesfalls
          auszuschließen, dass auch von diesem Text ursprünglich noch weitere Entwürfe
          existierten.</p>
        <p style="horizontal"></p>
      </div>
      <div type="col-1" xml:lang="en">
        <head>
          <title>I LOVED LIFE TOO DEARLY</title>
        </head>
        <p>Some notes on Stefan Zweig’s “Declaração” on the occasion of the 80th anniversary of his death on 23 February 2022</p>
        <p>The letter that <name ref="#SZDPER.1560">Stefan Zweig</name> entitled “Declaração” (or “Declaration” in Portuguese),
          dated 22 February 1942, is undoubtedly his best-known and most frequently quoted biographical document.
          It was written under dramatic circumstances, for on the following day attendants found <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>
          and his wife <name ref="#SZDPER.1555">Lotte</name> lying lifeless on the bed of their house
          in Petrópolis. A doctor was summoned, who certified death to have been caused by the ingestion of toxic substances,
          and the ensuing police investigation ruled out any involvement of third parties, leaving
          no doubt that<name ref="#SZDPER.1560">Stefan</name> and <name ref="#SZDPER.1555">Lotte Zweig</name>,
          after years of exile, had decided to take this step on their own.</p>

        <p>Dates and postmarks reveal that the couple had already written and posted a series of personal
          farewell letters to friends and family members when <name ref="#SZDPER.1560">Stefan Zweig</name>          
penned his official declaration. In the latter, he addressed the public alone,
          without mentioning his wife, who was determined to end her life together with him.
          Due to long mail routes, further complicated by conditions of war and censorship,
          the personal valedictions would not have reached their recipients until long after
          they had learned of Zweig’s death and his “declaration” over the radio and through the papers.</p>
        <p>In keeping with the official character of his message, <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>
          begins with a word of thanks to Brazil, the country where he and his wife had spent their last months,
          before going on to discuss his situation, which, he explains, he has come to view as hopeless.
          In consideration of the importance of the document, <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> left behind
          two copies of his “declaração”. It is perhaps little surprise that this fact has so far attracted
          little attention, as the two texts appear at first glance to be identical, and publications
          or quotations usually ignore the corrections and deletions which distinguish the two versions.
          One of these “declarations” was acquired by the German Literature Archive Marbach in 1976,
          the other has rested in the National Library of Israel in Jerusalem since 1992.
          Both are written in <name ref="#SZDPER.1560">Zweig’s</name> own hand, signed, and dated on the same day.
          Both also share the peculiar spelling of the word “Declaração”, without the cedilha in the second “c” – 
          an idiosyncrasy not unusual for Zweig, who frequently omitted diacritics even in his French handwriting.</p>

        <p>An easily noticeable difference is that the Jerusalem letter bears a diagonal paraph in the upper left-hand corner,
          apparently the initials of one of the investigating Brazilian officers. In the Marbach specimen
          <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>himself added the words “Abschrift, Copia” (“copy”)
          in brackets after the heading. While the addendum correctly indicates the purpose of this precautionary
          duplicate, it is not entirely accurate, for the Marbach letter was not, in fact, designed as the copy
          of a text, but rather as its draft. This sequence of composition is evident from several deletions
          and corrections which were incorporated into the ostensible prototype (actually, the fair copy)
          in Jerusalem. Although <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> deleted the relevant passages with
          close strokes of his fountain pen, the original phrasings underneath remain legible throughout.</p>

        <p>The first passage to show clear signs of revision is at the end of the first paragraph.
          In the final version, this section, which refers to Brazil, reads thus:
          “Mit jedem Tage habe ich dies Land mehr lieben gelernt und nirgends hätte ich mir mein Leben
          lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, nachdem die Welt meiner eigenen Sprache für mich untergegangen
          ist und […] meine geistige Heimat Europa sich selber vernichtet” (“Every day I have learned to love
          this country better, and nowhere would I more gladly have rebuilt my life all over again, now that
          the world of my native tongue has perished for me and my spiritual home, Europe, is destroying itself”).
          In his first version, <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> had concluded the sentence less succinctly:
          “nachdem die Welt in der ich in meiner eigenen Sprache schaffen konnte für mich untergegangen ist
          und meine geistige Heimat Europa sich selbst vernichtet” (“now that the world in which I was able
          to create in my native tongue has perished for me and my spiritual home, Europe, is destroying itself”).</p>
        <p>The second passage is concerned with <name ref="#SZDPER.1560">Zweig’s</name> motivation for his suicide.        
   Here, the revision stresses his lack of energy alone: in the sentence, 
          “Aber nach dem sechzigsten Jahr bedürfte es besonderen Mutes und besonderer Kräfte,
          um noch einmal völlig neu zu beginnen“ (“But one would need special courage and special powers
          to begin completely afresh when one has passed one’s sixtieth year”), <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>
          Zweig struck out the words “special courage and”. Also, to reinforce the statement, the word “völlig”
          (“completely”) was inserted at the beginning of the line after the sentence was completed in the draft.</p>

        <p>The third and most extensive deletion concerns a full sentence and a half. It reads:
          “Ich habe das Leben zu sehr geliebt. Eine zerstückte und in ihrem Gefühl verstörte”
          (“I loved life too dearly. A dismembered and emotionally distraught”). 
          In his final version, <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> chose entirely to drop this passage
          with its poignant first sentence.</p>

        <p>The final deletion concerns the word “Unabhängigkeit” (“independence”), which was replaced
          by “Freiheit” (“freedom”) – for <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>, 
          “earth’s most precious possession”.</p>

        <p>Apart from a few minor changes such as “dieses Land” becoming “dies Land” (a more literary form of “this land”)
          or “Rast gewährt” (“granted repose”) becoming “Rast gegeben” (“given” or “afforded repose”)
          and the transposition of stop and exclamation mark in the two final sentences, the fair copy
          contains only two more small corrections which necessitated deletions: firstly, <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name>
          cancelled the beginning of the word “Europa” (“Europe”), which he apparently had prematurely copied
          from his draft, mistakenly omitting the preceding words “meine geistige Heimat” (“my spiritual home”).
          Secondly, Zweig struck out the fragment “fast zeh”: he had probably wanted to refer to his “nearly ten”
          years of homeless wandering, then changed his mind and reverted to the “long years” of his draft.</p>
        <p>The original documents show clearly that <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> 
          did not write down his last words to the public in one fell swoop, but rather made numerous
          changes and honed individual phrases, a process he had practised and refined over decades in
          the composition of his literary works. It was not uncommon for <name ref="#SZDPER.1560">Zweig</name> 
          to produce as many as four or five revisions when working his way from first idea to final version,
          and considering the importance of his “Declaração”, it is quite conceivable that further drafts
          of this text may once have existed as well.</p>
        <p style="horizontal"></p>
      </div>
      <div type="col-1" xml:lang="de">
        <head>
          <title>Marbacher Exemplar der Declaração</title>
        </head>
        <figure>
          <graphic url="IMG.1"></graphic>
          <figDesc>
            <caption>
              <ref target="o:szd.lebensdokumente#SZDLEB.130" type="entry">Hier zum Eintrag im Katalog</ref>
            </caption>
          </figDesc>
        </figure>
        <p>
          <hi style="underline">Declaracão</hi> (Abschrift, Copia)</p>
        <p style="horizontal">Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen <lb></lb>aus dem Leben
          scheide, drängt es mich eine letzte <lb></lb>Pflicht zu erfüllen: diesem wundervollen Lande
          Bra- <lb></lb>silien innig zu danken, das mir und meiner Arbeit <lb></lb>so gute und gastliche
          Rast gewährt. Mit jedem Tage <lb></lb>habe ich dieses Land mehr lieben gelernt und nir-
          <lb></lb>gends hätte ich mir lieber mein Leben vom Grunde aus <lb></lb>neu aufgebaut, nachdem
          die Welt <del rend="strikethrough">in der ich in</del> meiner <lb></lb>eigenen Sprache <del rend="strikethrough">schaffen konnte</del> für mich untergegangen <lb></lb>ist und meine     
     geistige Heimat Europa sich selbst vernich- <lb></lb>tet.</p>
        <p>Aber nach dem sechzigsten Jahr bedürfte es <del rend="strikethrough">beson-</del>
          <lb></lb>
          <del rend="strikethrough">deren Mutes und</del> besonderer Kräfte, um noch einmal
          <lb></lb>völlig neu zu beginnen. Und die meinen sind durch die <lb></lb>langen Jahre
          heimatlosen Wanderns erschöpft. <del rend="strikethrough">Ich</del>
          <lb></lb>
          <del rend="strikethrough">habe das Leben zu sehr geliebt. Eine zerstückte und</del>
          <lb></lb>
          <del rend="strikethrough">in ihrem Gefühl verstörte</del> So halte ich es für
          besser, <lb></lb>rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben <lb></lb>abzuschliessen, dem
          geistige Arbeit die lauterste Freude <lb></lb>und persönliche <del rend="strikethrough">Unabhängigkeit</del> Freiheit das höchste Gut dieser <lb></lb>Erde <del rend="strikethrough">war</del> gewesen.</p>
        <p>Ich grüsse alle meine Freunde! Mögen sie die Morgen <lb></lb>röte noch sehen nach der
          langen Nacht. Ich, allzu <lb></lb>Ungeduldiger, gehe ihnen voraus!</p>
        <p>
          <hi rend="left">Petropolis 22. II 1942</hi>
          <hi rend="right">Stefan
          Zweig</hi>
        </p>
      </div>
      <div type="col-1" xml:lang="en">
        <head>
          <title>Marbach Declaração</title>
        </head>
        <figure>
          <graphic url="IMG.1"></graphic>
          <figDesc>
            <caption>
              <ref target="o:szd.lebensdokumente#SZDLEB.130" type="entry">See the catalogue record</ref>
            </caption>
          </figDesc>
        </figure>
        <p>
          <hi style="underline">Declaracão</hi> (Abschrift, Copia)</p>
        <p style="horizontal">Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen <lb></lb>aus dem Leben
          scheide, drängt es mich eine letzte <lb></lb>Pflicht zu erfüllen: diesem wundervollen Lande
          Bra- <lb></lb>silien innig zu danken, das mir und meiner Arbeit <lb></lb>so gute und gastliche
          Rast gewährt. Mit jedem Tage <lb></lb>habe ich dieses Land mehr lieben gelernt und nir-
          <lb></lb>gends hätte ich mir lieber mein Leben vom Grunde aus <lb></lb>neu aufgebaut, nachdem
          die Welt <del rend="strikethrough">in der ich in</del> meiner <lb></lb>eigenen Sprache <del rend="strikethrough">schaffen konnte</del> für mich untergegangen <lb></lb>ist und meine
          geistige Heimat Europa sich selbst vernich- <lb></lb>tet.</p>
        <p>Aber nach dem sechzigsten Jahr bedürfte es <del rend="strikethrough">beson-</del>
          <lb></lb>
          <del rend="strikethrough">deren Mutes und</del> besonderer Kräfte, um noch einmal
          <lb></lb>völlig neu zu beginnen. Und die meinen sind durch die <lb></lb>langen Jahre
          heimatlosen Wanderns erschöpft. <del rend="strikethrough">Ich</del>
          <lb></lb>
          <del rend="strikethrough">habe das Leben zu sehr geliebt. Eine zerstückte und</del>
          <lb></lb>
          <del rend="strikethrough">in ihrem Gefühl verstörte</del> So halte ich es für
          besser, <lb></lb>rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben <lb></lb>abzuschliessen, dem
          geistige Arbeit die lauterste Freude <lb></lb>und persönliche <del rend="strikethrough">Unabhängigkeit</del> Freiheit das höchste Gut dieser <lb></lb>Erde <del rend="strikethrough">war</del> gewesen.</p>
        <p>Ich grüsse alle meine Freunde! Mögen sie die Morgen <lb></lb>röte noch sehen nach der
          langen Nacht. Ich, allzu <lb></lb>Ungeduldiger, gehe ihnen voraus!</p>
        <p>
          <hi rend="left">Petropolis 22. II 1942</hi>
          <hi rend="right">Stefan
          Zweig</hi>
        </p>
        <p>
          <hi style="bold">English approximation</hi>
        </p>
        <p>
          <hi style="underline">Declaracão</hi> (copy)</p>
        <p style="horizontal">Before I depart from this life, of my own free will and with a clear mind, 
          I want urgently to fulfil one last duty: I want to give heartfelt thanks to this wonderful country
          of Brazil which has granted me and my work such kind and hospitable repose. Every day I have learned
          to love this country better, and nowhere would I more gladly have rebuilt my life all over again, 
          now that the world <del rend="strikethrough">in which I was able to create in</del> of my native tongue
          has perished for me and my spiritual home, Europe, is destroying itself.</p>
        <p>But one would need <del rend="strikethrough">special courage and</del>
          special powers to begin completely afresh when one has passed one’s sixtieth year. 
          And mine have been exhausted by long years of homeless wandering.
          <del rend="strikethrough">I loved life too dearly. A dismembered and emotionally distraught</del>
          It seems to me therefore better to put an end, in good time and without humiliation, 
          to a life in which intellectual work <del rend="strikethrough">was</del> has always been an unmixed joy and personal <del rend="strikethrough">independence</del>
          freedom earth’s most precious possession.</p>
        <p>I greet all my friends! May they live to see the dawn after the long night is over. 
          I, all too impatient, am going on alone!</p>
        <p>
          <hi rend="left">Petropolis 22. II 1942</hi>
          <hi rend="right">Stefan
          Zweig</hi>
        </p>
      </div>
      <div type="col-1" xml:lang="de">
        <head>
          <title>Jerusalemer Exemplar der Declaração</title>
        </head>
        <figure>
          <graphic style=" " url="IMG.2"></graphic>
          <figDesc>
            <caption>
              <ref target="o:szd.lebensdokumente#SZDLEB.14" type="entry">Hier zum Eintrag im Katalog</ref>
            </caption>
          </figDesc>
        </figure>
        <p style="horizontal">
          <hi style="underline">Declaracão</hi>
        </p>

        <p>Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen <lb></lb>aus dem Leben scheide, drängt es
          mich eine letzte Pflicht <lb></lb>zu erfüllen: diesem wundervollen Lande Brasilien
          <lb></lb>innig zu danken, das mir und meiner Arbeit so gute <lb></lb>und gastliche Rast gegeben.
          Mit jedem Tage habe ich dies <lb></lb>Land mehr lieben gelernt und nirgends hätte ich mir
          <lb></lb>mein Leben lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, <lb></lb>nachdem die Welt meiner
          eigenen Sprache für mich <lb></lb>untergegangen ist und <del rend="strikethrough">Euro</del>
          meine geistige Heimat Europa <lb></lb>sich selber vernichtet.</p>

        <p>Aber nach dem sechzigsten Jahre bedürfte es besonderer <lb></lb>Kräfte um noch einmal
          völlig neu zu beginnen. Und <lb></lb>die meinen sind durch die <del rend="strikethrough">fast zeh</del> langen Jahre heimat- <lb></lb>losen Wanderns erschöpft. So halte ich es
          für besser, <lb></lb>rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben abzu- <lb></lb>schliessen,
          dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude <lb></lb>und persönliche Freiheit das höchste
          Gut dieser Erde <lb></lb>gewesen.</p>
        <p>Ich grüsse alle meine Freunde! Mögen sie die Morgen- <lb></lb>röte noch sehen nach der
          langen Nacht! Ich, allzu <lb></lb>Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.</p>
        <p>
          <hi rend="right">Stefan Zweig</hi>
          
          <lb></lb>
          <hi rend="right">----</hi>
          
          <lb></lb>
          <hi rend="right">Petropolis 22. II 1942</hi>
          
        </p>
      </div>
      <div type="col-1" xml:lang="en">
        <head>
          <title>Jerusalem Declaração</title>
        </head>
        <figure>
          <graphic style=" " url="IMG.2"></graphic>
          <figDesc>
            <caption>
              <ref target="o:szd.lebensdokumente#SZDLEB.14" type="entry">See the catalogue record</ref>
            </caption>
          </figDesc>
        </figure>
        <p style="horizontal">
          <hi style="underline">Declaracão</hi>
        </p>

        <p>Ehe ich aus freiem Willen und mit klaren Sinnen <lb></lb>aus dem Leben scheide, drängt es
          mich eine letzte Pflicht <lb></lb>zu erfüllen: diesem wundervollen Lande Brasilien
          <lb></lb>innig zu danken, das mir und meiner Arbeit so gute <lb></lb>und gastliche Rast gegeben.
          Mit jedem Tage habe ich dies <lb></lb>Land mehr lieben gelernt und nirgends hätte ich mir
          <lb></lb>mein Leben lieber vom Grunde aus neu aufgebaut, <lb></lb>nachdem die Welt meiner
          eigenen Sprache für mich <lb></lb>untergegangen ist und <del rend="strikethrough">Euro</del>
          meine geistige Heimat Europa <lb></lb>sich selber vernichtet.</p>

        <p>Aber nach dem sechzigsten Jahre bedürfte es besonderer <lb></lb>Kräfte um noch einmal
          völlig neu zu beginnen. Und <lb></lb>die meinen sind durch die <del rend="strikethrough">fast zeh</del> langen Jahre heimat- <lb></lb>losen Wanderns erschöpft. So halte ich es
          für besser, <lb></lb>rechtzeitig und in aufrechter Haltung ein Leben abzu- <lb></lb>schliessen,
          dem geistige Arbeit immer die lauterste Freude <lb></lb>und persönliche Freiheit das höchste
          Gut dieser Erde <lb></lb>gewesen.</p>
        <p>Ich grüsse alle meine Freunde! Mögen sie die Morgen- <lb></lb>röte noch sehen nach der
          langen Nacht! Ich, allzu <lb></lb>Ungeduldiger, gehe ihnen voraus.</p>
        <p>
          <hi rend="right">Stefan Zweig</hi>
          
          <lb></lb>
          <hi rend="right">----</hi>
          
          <lb></lb>
          <hi rend="right">Petropolis 22. II 1942</hi>
          
        </p>
        <p>
          <hi style="bold">English approximation</hi>
        </p>
        <p style="horizontal">
          <hi style="underline">Declaracão</hi>
        </p>

        <p>Before I depart from this life, of my own free will and with a clear mind,
          I want urgently to fulfil one last duty: I want to give heartfelt thanks to this wonderful
          country of Brazil which has afforded me and my work such kind and hospitable repose.
          Every day I have learned to love this country better, and nowhere would I more gladly
          have rebuilt my life all over again, now that the world of my native tongue has perished for me and
          <del rend="strikethrough">Euro</del> my spiritual home, Europe, is destroying itself.</p>

        <p>But one would need special powers to begin completely afresh when one has passed one’s sixtieth year.
          And mine have been exhausted by <del rend="strikethrough">nearly te</del> long years of homeless wandering.
          It seems to me therefore better to put an end, in good time and without humiliation, to a life in which intellectual
          work has always been an unmixed joy and personal freedom earth’s most precious possession.</p>
        <p>I greet all my friends! May they live to see the dawn after the long night is over! 
          I, all too impatient, am going on alone.</p>
        <p>
          <hi rend="right">Stefan Zweig</hi>
          
          <lb></lb>
          <hi rend="right">----</hi>
          
          <lb></lb>
          <hi rend="right">Petropolis 22. II 1942</hi>
          
        </p>
        <p>Note: Stefan Zweig’s farewell letter has been variously translated into English.
          The version given here is largely based on that published in: Elizabeth Allday, Stefan Zweig:
          A Critical Biography. Chicago: J. Philip O’Hara, 1972, p. 238.</p>
      </div>
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